Tabuthema Spätabtreibung wurde verfilmt – 24 Wochen

Wer sich schon einmal gefragt hat, warum es die Möglichkeiten der Pränataldiagostik gibt und diese darüber hinaus immer weiter verfeinert und differenziert wird, kommt um das Thema Spätabtreibung nicht herum. Oft hinter hervorgehaltener Hand erwähnt, gibt es auch heute noch Diskussionen zum Thema, ob ein (behindertes)  Leben „lebenswert“ sein kann oder nicht.

Die noch junge Filmemacherin Anne Zohra Berrached studierte an der Filmakademie in Baden-Württemberg und hat mit 24. Wochen ihren Abschlußfilm gedreht. In diesem Film geht es um Astrid (Julia Jentsch), die beruflich als berühmte Kabarettistin fest im Leben steht und ihr privates Glück mit der Geburt ihres zweiten Kindes vervollständigen möchte. Pränataldiagnostische Untersuchungen ergeben jedoch, dass ihr ungeborenes Kind mit Trisomie 21 (umganggspr. „Down Syndrom“) und einem schweren Herzfehler zur Welt kommen wird.

Astrid und ihr Mann Markus (Bjarne Mädel) müssen eine Entscheidung treffen.

 

Dieser Film zeigt noch einmal auf, wie wichtig die Entscheidung für eine vorgeburtliche Untersuchung bereits ist, insbesondere wenn es sich um minimal invasive Diagnosemöglichkeiten handelt. Nach wie vor empfinde ich es so, dass (zu-)viele Schwangere uninformiert durch diverse Untersuchungen geschleust werden und ein großes Aufklärungspotential besteht. Eine Untersuchung im Rahmen der Pränatalen Diagnostik ist nur der Anfang.  Nicht alle Untersuchungen sind hilfreich, andere wiederum bergen auch ein gewisses Risiko.

Haben sich werdende Eltern dazu entschlossen, diverse pränataldiagnostische Maßnahmen durchführen zu lassen, so ist es elementar wichtig, sich der potentiellen Konsequenzen daraus bewußt zu sein.

Welche Untersuchungen sollte ich vornehmen lassen und was bedeutet es für mich?

  • Was passiert, wenn ich eine Diagnose erhalte?
  • Um welche Diagnose geht es?
  • Wie sicher ist die Diagnose?
  • Wie hoch ist die Fehlerquote bei dieser Untersuchung? Wie hoch ist das Risiko einer Fehlgeburt bei dieser Untersuchung?
  • Bin ich ausreichend über die Diagnose und die zu erwartenden Auswirkungen aufgeklärt worden?
  • Bin ich ausreichend über Chancen und Risiken aufgeklärt worden?
  • Bin ich ausreichend darüber aufgeklärt worden, was konkret das Leben mit einem Kind mit dieser Behinderung bedeutet? Wurde mir die Möglichkeit geboten mit anderen Eltern, dessen Kind die gleiche Behinderung hat, in Kontakt zu treten?
  • Bin ich sowohl über positive als auch über negative Auswirkungen einer Spätabtreibung aufgeklärt worden, sowohl medizinisch als auch, was die psychische Belastung betrifft?
  • Wenn es medizinisch sinnvoll ist, warum übernimmt meine Krankenkasse die Untersuchung nicht?

Bei einer festgestellten Behinderung ist die Spätabtreibung in der Praxis bis zum Einsetzen der Wehen, also bis zur Geburt möglich. Ärzte sind verpflichtet, die Schwangere zu beraten, wenn es um eine solche weitreichende Entscheidung geht. Jedoch kann die Schwangere diese Beratung auch ablehnen. Es stellt sich die Frage, inwiefern eine Schwangere in einer solchen Schocksituation in kurzer Zeit eine Entscheidung treffen kann, ohne sich der langfristigen Konsequenzen, unabhängig von ihrer Entscheidung, bewusst sein zu können.

Was passiert, wenn eine Erkrankung oder Behinderung festgestellt wurde?

Nicht zu unterschätzen ist bei diesem Thema ebenfalls der gesellschaftliche Druck. Pränataldiagnostische Maßnahmen können vieles bereits vorgeburtlich erkennen lassen – dies führt dazu, dass sich eine Schwangere, die sich für ihr behindertes Kind und gegen eine Spätabtreibung entscheidet auch rechtfertigen „muss“.  Fragen wie „Habt ihr das nicht vorher gewusst?“ oder „Wann wurde das denn festgestellt“ symbolisieren die immernoch schwierige Situation von Eltern mit einem behinderten Kind.

Was passiert, wenn ich mich für eine Spätabtreibung entscheide?

Auf der anderen Seite wird immernoch die mögliche negative Auswirkung einer Spätabtreibung unterschätzt. Die psychische Belastung und auch der Druck ist hier ebenso hoch. Die Gesellschaft vermittelt oft in diesen Fällen ein „alles richtig gemacht“. Sätze wie „das sollte so sein“ oder „das war sicherlich besser, stell dir vor es hätte…“ suggerieren der Schwangeren, die soeben ihr Kind gehen lassen musste, dass der Tod ihres eigenen Kindes eine gute Entscheidung gewesen ist. Wie soll eine Frau mit diesem ambivalenten Gefühl klarkommen?

Fazit

Das Thema Spätabtreibung wird auch in den nächsten Jahren kontrovers diskutiert bleiben. Für und Wider werden abgewogen und, teils über den Köpfen der Risikoschwangeren hinweg, diskutiert. Fest steht aber eins: die Verlierer stehen bei diesem Thema auf allen Seiten. Gewinner kann es hier keine geben.

Trailer zu „24. Wochen“

 

 

 

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