IGEL-Leistungen für Schwangere

IGEL-leistungen oder nicht?

Welche IGEL-Leistungen machen Sinn?

IGEL-Leistungen oder: warum so manche Schwangere sich lieber einIGELn würde

IGEL-Leistungen, die sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen, werden nach wie vor regelmäßig angeboten. Doch wem dienen sie letztlich?

Aufgrund der Umstrittenheit vieler IGEL-Leistungen hat sich der IGEL-Monitor zum Ziel gesetzt, wissenschaftlich fundiert darüber aufzuklären, welche IGEL-Leistungen überhaupt Sinn machen und an welcher Stelle man statt dessen von den ganzen Euros lieber schon einmal das Babyzimmer einrichtet 🙂

Erst-Trimester-Screening

Das Ersttrimester-Screening ist eine Kombination aus mehreren Untersuchungen. Hierbei werden zum einen zwei bestimmte Werte aus dem Blut (PAPP-A und freies β-hCG) analysiert und zum Anderen wird die fetale Nackentransparenz ausgemessen, die sogenannte umgangssprachlich besser bekannte „Nackenfaltenmessung“.

Kostenpunkt: ca. zwischen 100 und 200€

Ergebnis: das Ergebnis ist keine klare Diagnose oder ein 100%iger Hinweis. Es ist eine Berechnung, eine Wahrscheinlichkeitsrechnung aus verschiedenen Faktoren, die aufeinander treffen (oder auch nicht). Ergibt sich ein grenzüberschreitender Wert, so wird zu weiteren Untersuchungen geraten (wie z.B. eine Fruchtwasseruntersuchung oder eine Chorionzottenbiopsie)

 

Zusätzlicher Glukosetest

Seit März 2012 ist zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche ein Glukosetest als Kassenleistung vorgesehen bzw. möglich. Bei einem Glukosetest, genauer Glukosetoleranztest, trinkt die werdende Mutter ein Getränk, welches 50g Glukose erhält und es wird im Anschluß die Reaktion des Körpers auf die „Zuckerbombe“ getestet. Dies wird von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.

Der zusätzliche Glukosetest unterscheidet sich dadurch, dass hier der Test mit 75g Glukose durchgeführt wird.

Kostenpunkt: ca. 20€

Ergebnis: Hinweise auf ein Diabetesproblem ergeben sich bereits beim „kleineren“ Test, daher ist dieser in der Regel ausreichend.

 

Toxoplasmosetest

Auch dieser ist bei begründetem Verdacht eine Kassenleistung. Zusätzlich angeboten wird er also, wenn im Grunde kein erhöhtes Risiko vorliegt.

Kostenpunkt: ca. um die 15€

Ergebnis: Es wird überprüft, ob eine Frau bereits Anti-Körper im Blut hat. Wenn dies nicht der Fall ist, so müssten andere Untersuchungen vorgenommen werden, um eine Schädigung des Ungeborenen zu ermitteln oder auszuschließen. Dieses Ergebnis wird beispielsweise auch vom IGEL-Monitor als negativ eingestuft, da es nicht hilfreich ist und ohnehin keinen Aufschluss über eine eventuell tatsächlich eingetretene Schädigung bringen würde.

 

Streptokokken B – Test

Streptokokken sind ein Risikofaktor, erst recht bei bereits Frühgeburtsgefährdeten Schwangerschaften. Bei Streptokokken handelt es sich um Bakterien, die eine Infektion auslösen können, welche neben dem Frühgeburtsrisiko auch schwere Infektionen während der Geburt auslösen können. Bei diesem Test wird ein Abstrich der Mundschleimhaut gemacht. Hier kann bei positivem Ergebnis prophylaktisch ein Antibiotikum verordnet werden, um schlimmeres zu verhindern. Bei Risikoschwangeren bzw. Schwangeren, denen ohnehin eine Frühgeburt droht, ist allerdings auch dieser Test eine Kassenleistung.

Kostenpunkt: ca. 50€

Ergebnis: klarer Nachweis vom eventuellen Vorhandensein von Streptokokken

 

Zytomegalie-Infektions-Test

Zytomegalieviren gehören zur Gruppe der Herpes-Viren – in der Regel sind sie harmlos und bei den allermeisten zu finden, da die meisten Erwachsenen unbemerkt bereits eine (oder mehrere Infektionen) hatten und inzwischen immun sind, respektive Antikörper gebildet haben. Bei einer Neuinfektion während der Schwangerschaft liegt das Ansteckungsrisiko beim Ungeborenen bei ca. 40%.

Kostenpunkt: ca. 15 Uhr

Ergebnis: Bei einem nicht unerheblichen Teil der getesteten pure Unsicherheit! Ungünstigerweise bringt ein eventuelles Ergebnis bzw. ein Nachweis einer Neuinfektion keinen weiteren Vorteil, da dies während der Schwangerschaft nicht behandelt werden kann. Ebenso können keine Prognosen abgegeben werden, sodass es letztendlich keine andere Möglichkeit gibt, als den weiteren Verlauf der Schwangerschaft und dann den der Geburt abzuwarten.

Ringelröteln

Hier verhält es sich ähnlich wie beim Zytomelagie Test. Die meisten Erwachsenen sind bereits immun, sodass in der Regel nicht von großer Gefahr auszugehen ist. Vereinzelt kann es jedoch vorkommen, dass die werdende Mutter keine Antikörper gebildet hat. Für das Ungeborene kann eine Infektion schädlich sein.

Kostenpunkt: ca. 15€

Ergebnis: Auch hier ist das Ergebnis eine potentielle Verunsicherung während der gesamten Schwangerschaft. Denn auch bei Ringelröteln kann während der Schwangerschaft keine Therapie erfolgen. Es muss abgewartet werden. Wichtig könnte es allerdings für werdende Mütter sein, die in Berufen arbeiten, in denen die Ansteckungsgefahr besonders hoch ist. Hier muss über eine Arbeitsunfähigkeit während der Schwangerschaft entschieden werden.

Windpocken-Antikörpertest

Auch hier findet, wie bei den beiden vorherigen, ein Antikörpersuchtest statt. Windpocken können beim Ungeborenen beispielsweise zu Fehlbildungen führen.

Kostenpunkt: ca. 15 – 30€

Ergebnis: Hier ist das Ergebnis hilfreich. Sollte die werdende Mutter sich angesteckt haben, so kann nachträglich noch eine Impfung stattfinden, die die Erkrankung verhindern oder zumindest abschwächen kann.

 

An dieser Stelle meine persönliche Meinung zum Ultraschall:

3D-Ultraschall, Zusätzlicher Ultraschall, Babyfernsehen

Die gesetzlichen Krankenkassen sehen für die gesamte Schwangerschaft drei Ultraschalluntersuchungen vor.Liegt ein bergündeter Verdacht auf Unregelmäßigkeiten, Fehlbildungen oder eine Erkrankung vor, werden immer die dafür notwendigen Untersuchungen durchgeführt und auch von der Krankenkasse übernommen.

Kostenpunkt: von 30€ bis 200€ alles möglich 🙂

Ergebnis: Für den einen oder anderen sind die von der gesetzlichen Krankenkasse übernommenen Untersuchungen  nicht ausreichend, erst recht, wenn sie durch die ganzen IGEL-Leistungen ausreichend verunsichert wurden 😉

Ich selbst würde in einer Schwangerschaft einen zusätzlichen Ultraschalltermin vereinbaren, in dem in passender Schwangerschaftswoche ausführlich geschallt wird und dies dann bei „jemandem, der sich damit auskennt“ (siehe dazu DEGUM-Qualifikation). Dies ersetzt meiner Meinung nach sämtliche verrückt-und-Angstmach-Leistungen und erscheint mir am sinnvollsten.

Hierzu werde ich an anderer Stelle Schwangerschafts-Untersuchungs-Marathons veröffentlichen, die aufzeigen, was hilfreich sein kann und was vielleicht auch nicht.

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